Dienstag, 26. Mai 2015

Norway meets Bavaria



Es gibt sie noch, die richtigen Freunde, die man daran erkennt, dass man sich auch dann noch blind versteht, wenn man sich längere Zeit nicht gesehen hat. Mit Anna aus Norwegen besteht seit vielen Jahren diese unsichtbare „Verbandelung“. Angefangen hat alles mit einem Schüleraustausch vor mehr als 15 Jahren. Mittlerweile haben wir uns an so vielen Orten wieder getroffen: Trondheim, Oslo, München, Mainburg, Rom, Cavallino, Barcelona, Paris...

Ich habe ein kleines Interview mit Anna gemacht und wollte vor allem wissen, wie es denn in Norwegen so mit der Work-Life-Balance aussieht. Vielleicht können wir von unseren lieben Freunden im Norden ja doch so einiges lernen ;-)

Ich wünsche Euch viel Spaß beim Lesen – und Anna, vielen Dank, dass Du Dir die große Mühe gemacht hast, die Antworten auf Deutsch zu geben!

Anna, stell Dich bitte den Lesern des Bestzeit-Blogs kurz vor
Ich bin Anna, 35 Jahre, Dipl.Ing Informatik, habe zwei Kinder (4 Monate und 2 Jahre) und komme aus Norwegen.

Du bist schon oft nach Deutschland gereist, was gefällt dir besonders an München?
Die lieben Leute! 

Du hast einen kleinen Sohn und Du arbeitest. Wie bringst du beides unter einen Hut? Was läuft hier in Norwegen besser als beispielsweise in Deutschland?

Der Kindergarten spielt eine große Rolle hier. Wir haben einen Vollzeitplatz (40-45 Stunden/Woche) seit unser Sohn B. 13 Monate ist. Er mag seinen Kindergarten sehr. Die Angestellten sind alle Pädagogen, und es sind nie mehr als drei Kinder pro Erwachsenen in der Kleinkindabteilung (1-3 Jahre). Sie spielen viel draußen, und haben sonst auch viel vor. Die publizieren jeden Tag Fotos und Tagesberichte in einer geschlossenen Seite im Internet. Wir schauen uns das an, und reden über seinen Tag. Sonst hilft flexible Arbeitszeit sehr. Ich und B‘s Vater haben uns die Woche aufgeteilt, so dass ich B. an drei Tagen pro Woche abliefere und -hole, und er übernimmt es die anderen zwei Tage. Die abhol- und bringfreien Tage arbeiten wir beide jeweils länger. Also je 7 bzw. 9 Stunden in der Arbeit, ab und zu auch eine Stunde Abends. Wir haben eine 40 Stunden Arbeitswoche, inklusive Mittagessen. Norwegen ist generell familienfreundlich, die meisten haben Kinder und Mütter und Väter nehmen gleichermaßen Teil an der Erziehung/Betreuung, auch wenn die Kinder mal krank sind. Wir z.B. haben uns die Elternzeit geteilt, ich hatte 10 Monate, mein Lebensgefährte 5 Monate. Davon waren wir 2 Monate zusammen in "Familienzeit".

Wie werden Familien in Norwegen gefördert?
Wie viel man bekommt, hängt vom Jahreseinkommen ab. Maximal etwa 1.200 Euro/49 Wochen, 59.000 Euro total. Einige bekommen zusätzlich Geld vom Arbeitgeber, so dass man sein Jahreseinkommen auch in der Elternzeit bekommt. (You may choose between receiving 100 percent of the parental benefit basis for a shorter period, or 80 percent of the parental benefit basis for a longer period. This is called degree of coverage. The total benefit period for parental benefit in the case of a birth, is 49 weeks at 100 percent coverage, and 59 weeks at 80 percent coverage).

Wir möchten unsere Elternzeit verlängern. Dafür nehmen wir beide einige Wochen unbezahlt frei und benutzen unsere Urlaubswochen. 

Dein 2. Kind kam gerade zur Welt. Wie wirst du Job und Familie dann managen? Wie sieht dann Euer Alltag aus? 
Unsere Kleine ist jetzt 4 Monate alt. Leider ist sie früh sehr krank geworden, und wir mussten fünf Wochen im Krankenhaus wohnen. Jetzt geht alles viel besser, Sie ist wieder gesund. Es kehrt langsam wieder Alltag zuhause ein. Um Ansteckung zu vermeiden hat der Vater unseren Ältesten zum Kindergarten gebracht und abgeholt. Bald werden ich und die Kleine B. an einigen Tagen mit dem Geschwisterwagen abholen. Nach unserer Elternzeit werden beide Kinder den gleichen Kindergarten besuchen. Ich vermute dass wir es mit dem Bringen und Abholen so machen wie gewohnt und dadurch manchmal länger arbeiten. Einkaufen gehen wir einmal in der Woche und versuchen die Kinder vor 20 Uhr ins Bett bringen. Gute Teamarbeit. Ab und zu dürfen unsere Kinder alleine die Großeltern besuchen (alleine das erste Mal mit ungefähr 20 Monaten). Das bringt mehr Zeit für uns, zusammen oder auch alleine außerhalb des Hauses. Die nächsten Jahre werden bestimmt wenig Schlaf und wenig Freizeit bringen, aber auch viel Freude. Wir haben beide Hobbies zuhause, mein Lebensgefährte bastelt Elektronik und ich stricke/nähe. 

Was macht eine norwegische Mutter in der Elternzeit? Welche Hobbies hast Du gerade?
Ich möchte gerne wandern gehen, und bald geht das bestimmt auch gut. Dann gehe ich gerne in den Wald oder ins Gebirge hier in der Nähe. Wir treffen uns mit Freunden die auch zuhause sind, mit gleichaltrigen Kindern. Wir gehen auch einmal pro Woche zum Babysingen. Vormittags schlafen wir oft zusammen, das muss so sein weil die Kleine in der Nacht oft wach ist, und ihr Bruder steht früh auf. Sonst nähe und stricke ich sehr gerne.

Hast Du ein Foto von Eurer Familie für meine Leser? 









Tysen Takk, liebe Anna!

Lust auf mehr zum Thema Leben in Skandinavien? Dann schaut mal hier vorbei, ein interessanter Artikel mit Bezug auf den World Happiness Report 2015!
Und falls ihr eine Reise ins Land der Fjorde plant,  meldet Euch gerne - war schon einige Male dort ;-)

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